Poeten
Die Perlen unserer Poesie
Über die Jahrhunderte hinweg wurden die dichterischen Perlen des indischen Subkontinents und Pakistans verstreut. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese Perlen auf unserer Plattform zu einer Kette zusammenzufügen.
Dabei suchen wir nicht nach unfehlbaren, himmlischen Wesen. Im Fokus dieser Rubrik stehen echte, irdische Menschen. Wir zeigen, unter welchen oft schweren Lebensumständen diese Denker ihre Verse schufen und Großes erreichten.
Unsere Ambition ist klar: Die Stimmen derer unvergessen zu machen, die sich trotz jahrhundertelanger Unterdrückung und Ignoranz Gehör verschafften.
Die Redaktion
Mirza Asadullah Khan Ghalib
Eine der großten Urdu sowie Persisch Poeten aller Zeiten!
Sie möchten wissen, wer Ghalib ist?
Das geben wir gerne an Sie zurück,
da wir selbst überfragt sind
(Ghalib)
Bei dem Fall des Moghulreichs erschien ein strahlender Stern am Himmel der poetischen Welt – Mirza Asadullah Khan Ghalib, der eine Revolution in der Welt der Urdu- sowie der persischen Poesie vorantrieb. Vor Ghalibs Ära berührte die Urdu-Poesie vor allem das Herz der Poesieliebhaber. Ghalib verlieh ihr jedoch eine neue Dimension: den Verstand. Seine Weltanschauung sowie seine spirituelle und philosophische Denkweise bereicherten die Urdu- und die persische Poesie und führten sie in neue Dimensionen.
Mirza Asadullah Baig Khan, bekannt als „Ghalib“, wurde im Jahr 1796 in Agra, Indien, geboren. Seine Vorfahren stammten aus Turkmenistan. Sein Großvater wanderte nach Indien ein und erlangte eine renommierte Stellung unter dem König Shah Alam. Sein Vater, Abdullah Baig Khan, war ein Militäroffizier, der in einem Gefecht ums Leben kam. Zu dieser Zeit war Ghalib erst fünf Jahre alt. Er und sein jüngerer Bruder, Mirza Yousuf Baig, wurden in die Obhut ihres Onkels väterlicherseits genommen. Im Alter von neun Jahren verlor Ghalib auch seinen Onkel. Danach übernahm sein Großvater mütterlicherseits die erzieherische Verantwortung. Dieser gehörte zu den Wohlhabenden in Agra und diente in der Armee des Herrschers.
Ghalibs Onkel war ein Großgrundbesitzer und hatte keine eigenen Kinder. Nach dessen Tod erhielt Ghalib von den Briten eine Art Rente, die als Abfindung in Teilbeträgen für den Landbesitz mit Unterbrechungen ausgezahlt wurde. Im Jahr 1828 nahm er, für damalige Verkehrsverhältnisse, eine lange, beschwerliche Reise nach Kalkutta vor, um seine Rente, die inzwischen ausgesetzt worden war, wieder erhalten zu können.
In Agra genoss Ghalib seine erste Bildung. Einer seiner ersten Lehrer war der namhafte Gelehrte Sheikh Moazam Ali. In dieser Zeit lernte er aus den Schriftwerken von Nazir Akbar Abadi (Poet). Schon in seiner Kindheit zeichnete sich Ghalib durch einen scharfen Verstand, eine nachdenkliche Art und ein außergewöhnliches Gedächtnis aus. Diese Eigenschaften, verbunden mit den Entbehrungen seiner frühen Jahre, prägten seine Standhaftigkeit, Selbstreflexion und Sensibilität – Eigenschaften, die später seine Dichtung prägen sollten.
Im Alter von 14 Jahren erlernte er die persische Sprache. Im Jahr 1810 heiratete er ein junges Mädchen namens Amrao Begum, eine Tochter des Nawab Elahi Bakhsh Khan, der den Ruf eines renommierten Dichters genoss. Dadurch erlebte Ghalib ein sehr literarisches Umfeld. Nach der Heirat zog er nach Delhi und lebte dort bis zu seinem Tod. In Delhi bewegte er sich in einem poetischen Umfeld, was einen starken Einfluss auf seine geistige Entwicklung hatte.
Ghalib erlernte die Sprache Urdu im Selbststudium. Er erfand jedoch einen fiktiven Lehrer, der ihn angeblich unterrichtet hatte. Da Lehrer damals eine besonders hohe moralische und gesellschaftliche Stellung genossen, betrieb er diesen Aufwand. Ghalib schrieb sowohl auf Persisch als auch auf Urdu. Persisch war zu dieser Zeit die Amtssprache im Mogulreich. Der Sprache Urdu erwies er durch seine verständliche und zugängliche Ausdrucksweise eine besondere Ehre. Durch seine Briefe, bekannt als „Khatoot-e-Ghalib“, erreichte er ein breites Leserspektrum. Sein Schreibstil zeichnete sich durch eine so bildhafte Darstellung aus, dass die Leser das Gefühl hatten, dem Absender persönlich gegenüberzustehen und die Erlebnisse direkt zu teilen.
Die mystischen Fragen,
diese Sprachgewandtheit, Ghalib,
wir hätten Sie für einen Heiligen gehalten,
würden Sie nicht dem Wein zugeneigt sein!
(Ghalib)
Er beherrschte die Formen der Urdu-Poesie: Ghazal, Qasida und Rubaiyat. Sein theologisches Wissen über den Koran und die Hadithe spiegelte sich in seinem Werk wider. Zudem beschäftigte er sich mit Philosophie, Moral und existenziellen Fragen. Seine literarische, spirituelle und philosophische Entwicklung kam in seinen Werken zum Ausdruck.
Ghalib besaß wenig Materialismus, war aber sehr hilfsbereit – nicht zuletzt gegenüber seinem erkrankten Bruder. Zudem war er ein guter Freund sowie ein gastfreundlicher Gastgeber. Trotz seiner bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse hielt seine Ehefrau zu ihm. Das Ehepaar hatte jedoch kein Glück mit seinen Nachkommen. Von den sieben geborenen Kindern erreichte keines das Alter von 15 Monaten.
Ich habe unzählige Sehnsüchte,
jede einzelnen quält mich so sehr,
viele davon haben sich zwar erfüllt,
dennoch sind es immer moch mehr!
(Ghalib)
Er war nicht nur ein Poet, sondern im Inneren eine spirituelle Persönlichkeit, die trotz persönlicher und gesellschaftlicher Krisen einen wahren Weg zum Überleben zu finden versuchte.
Ich empfange diese Gedanken aus dem unsichtbaren Reich, Ghalib,
jeder Federstrich ist der Klang eines Engelgesangs.
(Ghalib)
Als Ghalib sich in seiner Entwicklungsphase befand, wurden seine Gedichte vorerst kaum wahrgenommen. Zudem fehlten ihm die finanziellen Mittel, um sie in Buchform zu veröffentlichen. Seine Werke landeten deshalb zunächst bei einem Papierhändler. Eine Sängerin fand durch Zufall ein Gedichtblatt, das (der Legende nach) im Wind wehte. Sie las das Gedicht und verliebte sich sogleich in Ghalibs Werke. Diese platonische Liebe nahm jedoch kein gutes Ende, da Ghalib sie niemals besuchte. Schließlich starb sie, während sie vergeblich auf ihren geliebten Dichter wartete. Daraufhin entstand das folgende Gedicht:
Es lag nicht in meinem Schicksal,
mich mit ihr zu begegnen.
Hätte ich weitergelebt,
wäre das gleiche Warten fortgedauert.
Hätte ich auf ihre Versprechen gesetzt,
wäre mein Leben sinnlos gewesen.
Wäre ich nicht vor Freude gestorben,
würde ich (auf Sie) gewartet haben?
Was für eine Freundschaft ist das,
bei der Freunde nur Predigten halten und wohlmeinende Ratschläge erteilen?
Was ich brauche,
ist eine Schulter,
an der ich weinen kann,
jemanden, der meinen Kummer und meine Sorgen lindert.
Wem soll ich sagen,
wenn die Trauer der Nacht voller Schmerz ist?
Der Tod hätte mir nichts ausgemacht,
wäre ich doch nur ein einziges Mal gestorben,
im Tod entehrt –
warum bin ich nicht im Fluss ertrunken?
Dann hätte es niemals ein Begräbnis gegeben,
noch wäre irgendwo mein Grab zu finden,
diese Verwicklungen ethischer Probleme;
diese Worte von Dir, Ghalib,
ich hätte Dich als den besten Freund Gottes angesehen,
wärst Du kein Weintrinker gewesen.
(Ghalib)
Menschenwürde sowie Ehrung:
Im Jahr 1842 wurde er als Professor an das Delhi College berufen. Diese Stelle lehnte er jedoch ab, da ihn der Staatssekretär nicht persönlich empfangen hatte.
Seine intellektuelle Strahlkraft und seine bedeutende Stimme wurden zu jener Zeit bekannt, als der letzte Herrscher des Mogulreiches, Bahadur Shah Zafar, regierte, dessen Herrschaftsbereich zuletzt auf das Rote Fort in Delhi beschränkt war. Im Jahr 1849 wurden ihm seitens des Königs die Titel „Najmudollah, Dabirul Malik, Nizam-ud-Daula“ verliehen. Zudem erteilte ihm der König den Auftrag, die Geschichte der Timuriden-Dynastie zu verfassen. Er wurde im Jahr 1854 als Poesielehrer des Königs eingestellt.
Er erlebte die grausamen und schmerzhaften Folgen des Unabhängigkeitskrieges von 1857, als die Rani von Jhansi mit ihren wenigen Verbündeten die Macht über einige indische Gebiete übernahm. Ihre Herrschaft dauerte jedoch nur für die kurze Dauer von etwa sechs Monaten. Landesverräter koalierten mit den Kolonialherren, den Söldnern der East India Company. Die Freiheitskämpfer und ihre Unterstützer wurden brutal bestraft, getötet oder auf weit entfernte Inseln verschleppt ("die Bestrafung des schwarzen Wassers": Zellengefängnis auf den Andamanen). Nach der Niederschlagung des Widerstands festigte die East India Company ihre Macht nahezu über den gesamten indischen Subkontinent. Man bezeichnet diese Epoche, die fast 90 Jahre andauerte, als eine dunkle und düstere Nacht über Indien. Der letzte Mogulherrscher verlor die Herrschaft über sein Reich, die sich zuletzt nur noch auf das Rote Fort von Delhi beschränkt hatte. Als Patriot und Zeitzeuge drückte Ghalib diesen Schmerz in seiner Poesie aus. In diesem Aufsatz werden wir leider nur teilweise auf seine Gedichte eingehen, da es sonst den zeitlichen und inhaltlichen Rahmen sprengen würde.
Das Schicksal des letzten Mogulherrschers Bahadur Shah Zafar:
Nach der vollständigen Machtübernahme der Briten über das indische Reich wurden am 22. September 1857 zwei Söhne und ein Enkelsohn des Herrschers von einem britischen Offizier aus nächster Nähe erschossen. Seine zwei minderjährigen Söhne und seine Ehefrau zogen gemeinsam mit ihm ins Exil nach Rangun. Dort verbrachte er mit seiner Familie seine letzten Tage. Um zu verhindern, dass er Botschaften nach außen schickte, verweigerten die Briten ihm den Zugang zu Papier, Tinte und Stiften. Seine von Melancholie geprägten Verse schrieb er daher mit Holzkohle an die Wände seiner Gefängniszelle. Bahadur Shah Zafar starb im Alter von 87 Jahren.
Wir haben um ein langes Leben von vier Tagen gebeten,
zwei davon vergingen in Hoffnung, und zwei im Warten
Bhadur Shah Zafar
Ghalibs universelles Vermächtnis:
Ghalibs Werk vermittelt eine Botschaft der Liebe, beschreibt tiefen Schmerz und thematisiert gesellschaftliche Ungleichheiten. Komplexe Sachverhalte stellt er auf eine intelligente, zielführende Weise dar, die sein hohes spirituelles und kognitives Niveau zeigt.
Sein Einfluss reicht weit über die Literatur hinaus. Als kulturelle Ikone prägt er Kunst, Musik, Philosophie und Spiritualität. Dank seiner umfassenden Bildung verfasste er Gedichte, die emotional tiefgründig und intellektuell anregend zugleich sind.
In seiner Lyrik erscheint Gott nicht als fernes Wesen, sondern als eine Präsenz, die eng mit dem Alltag, menschlichen Emotionen und moralischen Entscheidungen verflochten ist. Durch zeitlose Metaphern fängt Ghalib das menschliche Dasein ein. Seine Reflexionen über Liebe, Leid, Hoffnung und Moral bieten tiefe Einblicke in persönliche sowie universelle Wahrheiten. Sie dienen Suchenden bis heute als ethischer Kompass.
Ghalibs Leben beweist, dass Widrigkeiten, Neugier und ständige Reflexion zu unvergänglichen Werten führen. Sein Vermächtnis lebt daher nicht nur in Büchern weiter, sondern in den Herzen von Menschen auf der ganzen Welt.
Literatur:
Insgesamt sind neun Manuskripte des „Divan-e-Ghalib“ bekannt. Das erste Manuskript, „Nuskha-e-Hameediya“, ging während der Teilung Indiens verloren, wurde jedoch 50 Jahre später wiedergefunden. Diese über 200 Jahre alten, zeitlosen Werke prägen bis heute die Kultur. Sie werden an Schulen und Universitäten in Indien und Pakistan unterrichtet, auf Literaturveranstaltungen geehrt und dienten als Vorlage für Filme und Dramen. Ghalib ist weltweit in der indo-pakistanischen Diaspora bekannt, und seine Gedichte wurden von renommierten Sängern wie
Jagjit und Chitra Singh vertont.
Verfasst, übersetzt, veröffntlicht durch: Khawaja Tahir Mahmood
Disclaimer: Es handelt sich hier um ein freies Werk, das auf meiner Recherche, Leidenschaft und poetischer Zuneigung basiert.
Quellen:
https://www.poetryfoundation.org/poetry-news/71118/urdu-poetry-lovers-rejoice-mirza-asadullah-khan-ghalib-manuscript-found
https://gulfnews.com/world/asia/india/original-manuscript-of-urdu-poet-ghalibs-work-found-1.1373563#.U_J8-FfNL1Q.facebook
https://medium.com/@abroareej31/mirza-asadullah-khan-ghalib-the-poet-philosopher-and-cultural-luminary-269e4d571976
und zahlreiche Recherchen wurden vorgenommen.
Änderungen vorbehalten!
Dr. Sir Allama Muhammad Iqbal
Sir Dr. Allama Muhammad Iqbal: Der Dichter des Ostens und Vordenker einer Nation
Sir Dr. Allama Muhammad Iqbal gilt als einer der bedeutendsten Denker, Dichter und Philosophen des 20. Jahrhunderts. Als „Dichter des Ostens“ genoss er nicht nur auf dem indischen Subkontinent und in Asien hohe Anerkennung, sondern hinterließ auch in Europa tiefe Spuren. Neben seinem literarischen Schaffen wirkte er als Wissenschaftler, Politiker und Rechtsanwalt. Vor allem ging er als der visionäre Ideengeber in die Geschichte ein, der den Weg für die Gründung eines eigenständigen muslimischen Staates auf dem indischen Subkontinent ebnete. Geboren wurde Muhammad Iqbal am 9. November 1877 in Sialkot, im damaligen Britisch-Indien. Er entstammte einer angesehenen kaschmirischen Familie und wuchs von Kindheit an zweisprachig mit Urdu und Punjabi auf. Seine akademische Laufbahn begann am Scotch Mission College in seiner Heimatstadt Sialkot und führte ihn später an das renommierte Government College in Lahore. Nach seinem Abschluss lehrte er ab 1899 für vier Jahre Arabisch am Oriental College in Lahore. Diese frühe Lebensphase war von einer enormen schriftstellerischen Produktivität geprägt. Zu seinen bedeutendsten Urdu-Gedichten dieser Zeit, die er beide für Kinder verfasste, gehören „Parinde ki faryad“ (Das Gebet eines Vogels), eine frühe Reflexion über Freiheit und Tierrechte, sowie „Tarana-e-Hindi“ (Die Hymne der Inder), ein bis heute berühmtes, patriotisches Werk. Sein außergewöhnliches Talent blieb nicht unbemerkt. Sein Lehrer, Sir Thomas Arnold, erkannte das Potenzial des jungen Mannes und riet ihm nachdrücklich zu einem Studium im Westen. Im Jahr 1905 reiste Iqbal schließlich nach England, um prägende Jahre in Europa zu verbringen, die sein Denken und sein späteres Gesamtwerk nachhaltig beeinflussen sollten. Am Trinity College der Universität Cambridge widmete er sich intensiv dem Studium der Philosophie und des Rechtswesens, das er bereits 1906 mit dem Grad eines Bachelor of Arts abschloss. Im selben Jahr folgte in London seine Zulassung als Barrister (Rechtsanwalt) durch die ehrwürdige Juristenvereinigung Lincoln’s Inn. Sein Wissensdurst führte ihn kurz darauf nach Deutschland, wo er im Jahr 1907 an die Universität München wechselte. Dort promovierte er 1908 erfolgreich mit einer wegweisenden Doktorarbeit über „Die Entwicklung der Metaphysik in Persien“. Während seines Aufenthalts in Deutschland verbrachte Iqbal auch eine intensive Zeit in Heidelberg, um die deutsche Sprache zu lernen. Hier vertiefte er sich in die Werke von Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine, deren Poesie und Denken ihn tief faszinierten und in seiner späteren Arbeit inspirierten. Nach seiner Rückkehr nach Indien verknüpfte Iqbal die westliche Philosophie von Denkern wie Friedrich Nietzsche und Henri Bergson mit der islamischen Mystik, insbesondere mit den Lehren des Sufi-Dichters Rumi. Aus dieser Synthese entwickelte er sein zentrales philosophisches Konzept des „Khudi“, das die Stärkung des eigenen Selbst, der Individualität und der moralischen Selbstbestimmung betont. Neben seiner philosophischen Arbeit engagierte sich Iqbal zunehmend politisch. Der historische Höhepunkt seines politischen Wirkens war die berühmte Allahabad-Deklaration im Jahr 1930. In dieser programmatischen Rede vor der All-India Muslim League forderte er als erster Denker offiziell die Schaffung eines souveränen Staates für die Muslime im Nordwesten Indiens. Diese Vision machte ihn posthum zum geistigen Vater Pakistans, auch wenn er die Staatsgründung selbst nicht mehr miterlebte. Sir Dr. Allama Muhammad Iqbal verstarb am 21. April 1938 in Lahore, wo sein Mausoleum bis heute als nationale Gedenkstätte verehrt wird.
Seiner vielfältigen Persönlichkeit gerecht zu werden, bedarf mehrerer Bänder. Es wurden hunderte Bücher sowie zahlreiche Dissertationen über Iqbal geschrieben und Vorträge gehalten. Wir können seine Person hier nur abstrakt beschreiben. Iqbals Philosophie, die stark von Denkern wie Hegel und Nietzsche beeinflusst war, wird heute weltweit von Universitäten erforscht und diskutiert. Iqbal stellte die Konzepte der Jugend (Shaheen) und des Selbst (Khudi) ins absolute Zentrum seiner Philosophie. Er sah in der spirituellen und moralischen Erweckung der Jugend den einzigen Weg, um die Gesellschaft aus ihrer Lethargie zu befreien. Iqbal gilt als der geistige Vater und wichtigste Ideengeber der Zweinationstheorie. Am 23. März 1940 wurde im Minto-Park Lahore (heute Iqbal Park) die Resolution Pakistans repräsentiert, in dem Iqbals philosophische Vision aus dem Jahr 1930 in ein konkretes politisches Ziel gesetzt wurde, welche schließlich im Jahr 1947 zur Gründung Pakistans führte. Während „Quaid-E-Azam“ Muhammad Ali Jinnah (Grunder einer neuen islamischen Republik) die politische Umsetzung anführte, lieferte Iqbal das philosophische und theoretische Fundament dafür.
Iqbals Werk als Dichter und Wissenschaftler:
Sir Dr. Allama Muhammad Iqbal hat sowohl auf Persisch als auch auf Urdu zahlreiche bedeutende literarische und philosophische Werke verfasst. Er galt als einflussreicher islamischer Denker des 20. Jahrhunderts.
Urdu-Poesie (veröffentlicht 1924–1938): Bang-E-Dara, Bal-E-Jibril, Zarb-E-Kalim, Armaghan-E-Hijaz.
Werke auf Persisch: Asrar-E-Khudi, Rumez-E-Bekhudi, Payam-E-Mashriq, Zabur-E-Anjam, Pas Cheh Bayed Kard ai Aqwam-e-Sharq, Armaghan-E-Hijaz (erschien sowohl auf Urdu als auch auf Persisch).
Das patriotische Gedicht „Tarana-e-Hind“ (1904):
Im Jahr 1904 veröffentlichte Iqbal sein berühmtes Gedicht „Tarana-e-Hind“ (Die Hymne Indiens). Auszüge daraus lauten:
„Religion lehrt uns nicht, Feindschaft untereinander zu hegen,
wir sind Inder, Indien ist unsere Heimat.
Unser Hindustan ist das schönste Land der Welt,
wir sind seine Nachtigallen, es ist unser Garten.“
Wissenschaftliche Rezeption:
Zahlreiche internationale Wissenschaftler haben sich mit Iqbals Werken und Ideologien befasst. Dazu gehören unter anderem:
Prof. Dr. Dr. Annemarie Schimmel (renommierte deutsche Islamwissenschaftlerin), Arthur J. Arberry (britischer Orientalist),
R. A. Nicholson (britischer Experte für islamische Mystik), Javed Iqbal (sein Sohn; ehemaliger oberster Richter am Supreme Court von Pakistan)
Quellen:
https://www.ueberseeclub.de/resources/Server/pdf-Dateien/1995-1999/1997_Professor%20Dr.Annemarie%20Schimmel.pdf
https://en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Iqbal
und zahlreiche Recherchen wurden vorgenommen.
Änderungen vorbehalten!
Faiz Ahmad Faiz
Faiz Ahmad Faiz wurde am 13. Februar 1911 im Dorf Kala Qadir in der Nähe der Stadt Narowal (vormals Britisch-Indien, heute Pakistan) geboren. Er wuchs in privilegierten Verhältnissen heran als Sohn der wohlhabenden Großgrundbesitzer Sultan Fatima (Mutter) und Sultan Muhammad Khan (Vater), der 1913, kurz nach seiner Geburt, verstarb. Sein Vater war ein angesehener Anwalt (Barrister) und Mitglied eines elitären Literaturkreises, zu dem auch Dr. Sir Allama Muhammad Iqbal, der Nationaldichter Pakistans, gehörte.
Im Jahr 1916 besuchte Faiz die "Moulvi Ibrahim School", die in der Region als renommiert galt, und wurde später an der „Skotch Mission High School“ aufgenommen, wo er Urdu, Persisch und Arabisch erlernte. Nach seinem Bachelorabschluss in Arabisch und dem anschließenden Masterstudium in Englisch am Government College in Lahore im Jahr 1932 erwarb er später einen zweiten Mastersabschluss in Arabisch am Oriental College in Lahore. Nach seinem Abschluss im Jahr 1935 begann Faiz eine Lehrtätigkeit am M.A.O. College in Amritsar (heute indisches Gebiet) und anschließend am Hailey College of Commerce in Lahore (Pakistan).
In seinen frühen Gedichten befasste sich Faiz noch mit konventionellen, fröhlichen Themen wie Liebe und Schönheit, doch während seines Aufenthalts in Lahore widmete er sich zunehmend der Politik, der Gemeinschaft und der themenübergreifenden Interkonnektivität, die er sowohl im Leben als auch in der Poesie als grundlegend erachtete. In dieser Zeit heiratete er Alys George, eine britische Auswanderin, die zum Islam Konvertierte, mit der er zwei Töchter bekam. Im Jahr 1942 verließ er den Lehrerberuf, um sich der Britisch-Indischen Armee anzuschließen, für deren Dienste er im zweiten Weltkrieg die Medaille des Britischen Empire erhielt.
Nach der Teilung Indiens im Jahr 1947 entstanden die zwei neuen Staaten Indien und Pakistan. Pakistan war damals in einen westlichen Teil (die heutige Islamische Republik Pakistan) und einen östlichen Teil (Ostpakistan) getrennt, der 1971 als Bangladesch seine Unabhängigkeit erklärte. Nach der Teilung verließ Faiz die Armee und wurde Redakteur der Pakistan Times, einer sozialistischen englischsprachigen Zeitung.
Freiheitsberaubung:
Am 9. März 1951 wurde Faiz zusammen mit einer Gruppe von Armeeoffizieren gemäß dem Sicherheitsgesetz verhaftet und wegen des angeblichen gescheiterten Putschversuchs angeklagt, der als „Rawalpindi-Verschwörungsfall“ bekannt wurde. Faiz Ahmed Faiz wurde nie zum Tode verurteilt, wie es teilweise behauptet wird. Er wurde vor einem geheimen Gericht angeklagt und unrechtmäßig zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach rechtsstaatlichen Standards wurde Faiz Ahmed Faiz nicht rechtmäßig verklagt. Das Verfahren wies gravierende juristische Mängel auf und gilt heute als politisch motivierter Schauprozess in Pakistan. Er verbrachte etwas mehr als vier Jahre im Gefängnis (1951–1955), bevor er freigesprochen und entlassen wurde.
In zwei seiner Gedichtsammlungen, Dast-e Saba und Zindan Namah, widmet er sich dem Leben im Gefängnis, was er als eine Gelegenheit betrachtete, die Welt mit neuen Augen erkennen. Faiz lebte nach seiner Freilassung in Pakistan und wurde von der Regierung unter Zulfikar Ali Bhutto in den Nationalen Kunstrat berufen. Seine Gedichte, die zuvor ins Russische übersetzt wurden, brachten ihm im Jahr 1963 den Lenin-Friedenspreis ein.
Im Jahr 1964 ließ sich Faiz in Karachi nieder und wurde zum Rektor des Abdullah-Haroon-Colleges ernannt, während er gleichzeitig als Redakteur und Autor für mehrere renommierte Zeitschriften und Zeitungen tätig war. Während des Krieges zwischen Indien und Pakistan im Jahr 1965 arbeitete er ehrenamtlich für das Informationsministerium und verfasste Gedichte voller Empörung über das Blutvergießen zwischen Pakistan, Indien und dem späteren Bangladesch. Als **Bhutto jedoch von Zia Ul-Haq gestürzt wurde, musste Faiz ins Exil nach Beirut im Libanon auswandern. Dort brachte er die Zeitschrift Lotus heraus und schrieb weiterhin Gedichte in Urdu. Er blieb bis 1982 im Exil. Er starb 1984 in Lahore, kurz nachdem er für den Nobelpreis nominiert wurde.
Anerkennung in Pakistan:
Obwohl er ein einfaches und unruhiges Leben führte, wurden seine Werke, politische Ideologie und Dichtung unsterblich, und er wird oft als einer der „größten Dichter“ Pakistans bezeichnet. Faiz blieb eine äußerst beliebte und einflussreiche Persönlichkeit in der literarischen Entwicklung der pakistanischen Kunst, Literatur sowie der Theater- und Dramatisierung. Schätzungen zufolge waren bis 2015 mehr als 100 Bücher, etwa 60 Dissertationen und Hunderte von Artikeln über Faiz in Urdu verfasst worden.
In seinem bewegten Leben schrieb und veröffentlichte Faiz unermüdlich und wurde so zum meistverkauften modernen Urdu-Dichter sowohl in Indien als auch in Pakistan. Obwohl seine Werke in einer recht anspruchsvollen Sprache verfasst sind, zeichnen sich seine Gedichte durch einen lockeren, gesprächigen Ton aus, der eine Spannung zwischen der Elite und dem einfachen Volk erzeugt – gewissermaßen in der Tradition von Ghalib, dem berühmten Urdu-Dichter des 19. Jahrhunderts. Faiz wird besonders für seine Gedichte in traditionellen Urdu-Formen wie dem Ghazal und für seine bemerkenswerte Fähigkeit geschätzt, die konventionellen thematischen Erwartungen zu erweitern und politische sowie soziale Themen einzubeziehen.
Einige Werke von Faiz Ahmad Faiz wurden in verschiedene Sprachen wie Englisch, Deutsch (einige Gedichte wie 1. "Mulaqat" (das Treffen), 2. "Hum Dekhenge" (Wir werden es sehen), 3. „Bol Ke Lab Heen Azad Heen Tere“ (Sprich! Deine Lippen sind Frei), 4. "Bahar Ayi" (Der Frühling ist erwacht),
5. "Mujh Se Pehli Si Muhabbat, mere Mehboob na Mang" (Meine Geliebte, verlange nicht von mir, dich so zu lieben wie zuvor), Baluchi, Punjabi und Russisch übersetzt. Wobei ich die Übersetzungen ins Deutsche vorgenommen habe, was mir eine große Ehre ist.
**Exkurs:
Der ehemalige pakistanische Premierminister Zulfiqar Ali Bhutto wurde am 4. April 1979 im Bezirksgefängnis von Rawalpindi erhängt. Das Todesurteil gegen den Gründer der Pakistanischen Volkspartei (PPP) erging nach einem politisch motivierten Prozess wegen angeblicher Anstiftung zum Mord an einem Oppositionspolitiker. Die Hinrichtung erfolgte unter dem Militärdiktator Mohammed Zia ul-Haq.
Die wichtigsten Details zu dieser Entscheidung und den jüngsten juristischen Entwicklungen im Überblick:
Das Urteil (März 1978):
Richter Mushtaq leitete den umstrittenen Prozess und fällte ein einstimmiges Todesurteil gegen Bhutto. Bhutto wurde vorgeworfen, einen Attentatsversuch auf einen politischen Gegner (Ahmad Raza Kasuri) in Auftrag gegeben zu haben, bei dem dessen Vater starb.
Umgang und Befangenheit:
Dem Prozess fehlte jegliche Transparenz; die Verhandlungen wurden teilweise hinter verschlossenen Türen (in-camera) geführt. Bhutto selbst und seine Verteidigung warfen Richter Mushtaq extreme persönliche Voreingenommenheit vor, da Bhutto ihn früher in der Laufbahn übergangen hatte und Mushtaq zudem enge Verbindungen zum Militärregime von General Zia-ul-Haq pflegte.
Das Schicksal Bhuttos:
Das Todesurteil wurde 1979 vom Obersten Gerichtshof Pakistans bestätigt. Bhutto wurde am 4. April 1979 im Zentralgefängnis in Rawalpindi gehängt.
Historische Aufarbeitung (März 2024): Mehr als vier Jahrzehnte später hat der Oberste Gerichtshof Pakistans in einer historischen Stellungnahme (nach einer Präsidentenreferenz) einstimmig entschieden, dass der Prozess gegen Zulfikar Ali Bhutto fundamentalen verfassungsrechtlichen Prinzipien eines fairen Verfahrens widersprach. Das ursprüngliche Urteil konnte formal nicht aufgehoben werden, da es seinerzeit rechtskräftig abgeschlossen wurde. Das Gericht räumte jedoch das schwere juristische Fehlverhalten der Justiz in jener Ära ein.
Solche politisch motivierten Schauprozesse sind allgegenwärtig in Pakistan. Die Zeit entscheidet über die Voreingenommenheit, Vertuschungen und Machtmissbräuchen in der Geschichte Pakistans.
Ende des Exkurses.
Wichtige Anmerkung: Einen wichtigen Punkt möchte ich meinerseits erörtern: Der Titel „Dichter des Ostens“ wurde im allgemeinen Sprachgebrauch des indo-pakistanischen Sprachraums dem berühmten Poeten Dr. Sir Allama Muhammad Iqbal verliehen. Da sowohl Faiz Ahmad Faiz als auch Dr. Sir Allama Muhammad Iqbal aus dem Osten stammen und diese Ehre verdienen, habe ich auch Faiz Ahmad Faiz als „Dichter des Ostens“ bezeichnet.
Quellen:
https://poets.org/poet/faiz-ahmed-faiz
https://en.wikipedia.org/wiki/Faiz_Ahmad_Faiz
https://en.wikipedia.org/wiki/Maulvi_Mushtaq_Hussain
Dawn:
https://www.dawn.com/news/1817433
Friday Times:
https://www.thefridaytimes.com/07-Mar-2024/pakistan-s-judiciary-revisits-a-judicial-murder-44-years-later
Übersetzt und zusammengefasst durch: Khawaja Tahir Mahmood
Disclaimer: Es handelt sich hier um ein freies Werk. Der Inhalt der Übersetzung kann sich daher vom originalen Text variieren!
Änderungen vorbehalten!
Baba Bulleh Shah
Baba Bulleh Shah, ein Philosopher, Reformer, Sufi-Poet (1680 - 1757).
Sayed Abdullah Shah Qadri (1680–1757), volkstümlich bekannt als Baba Bulleh Shah, war ein Punjabi revolutionärer Philosoph, Reformer und Dichter, der als einer der größten Dichter der Punjabi Sprache gilt und als Vater der punjabischen Aufklärung verehrt wird. Sein literarisches Werk, bestehend aus etwa 150 "Kafis" und 94 weiteren poetischen Kompositionen, spiegelt Themen der Sufi- und humanistischen Philosophie wider – weshalb er unter den Punjabis als „Dichter des Volkes“ gilt.
Bulleh Shah wurde im Punjab geboren und stammte aus einer religiösen Gelehrtenfamilie. Er erhielt seine frühe Ausbildung von seinem Vater, während er im Dorf als Hirte arbeitete. Seine höhere religiöse Ausbildung absolvierte er in Kasur und studierte später in Lahore.
Bulleh Shahs Gedichte erreichten aufgrund der Verwendung von Umgangssprache ein breites Publikum. Er setzte Metaphern und bildliche Darstellungen ein, um komplexe spirituelle Ideen auch jenen zu vermitteln, die außerhalb der formellen religiösen Kreise standen. Er wurde für seine mystischen Gedichte bekannt, in denen er seine Philosophie der Göttlichen Einheit, der göttlichen Liebe und der sozialen Gleichheit miteinander verband und soziale Normen und Institutionen dafür kritisierte, die einfachen Menschen auszuwerten. Bulleh Shahs Werke prägten auch die Punjabi-Sprache und läuteten eine neue Ära der Punjabi-Literatur ein, die dazu beitrug, eine literarische Vielfalt des Punjabi zu etablieren, die auf der Umgangssprache basierte und Nuancen aus verschiedenen regionalen Formen der Sprache einbezog.
Er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Kasur, wo er im Alter von 77 Jahren starb. Seine Gedichte haben sich tief in punjabischen Sprichwörtern, "Qisse" (Erzählungen) und Volkstraditionen verankert und wurden bei vielen kulturellen Veranstaltungen vorgetragen, insbesondere seine "Kafis", darunter auch bei einer von der UNESCO organisierten Veranstaltung. Die auf seinen Texten basierenden Lieder wurden bei wichtigen Anlässen gesungen, darunter auch im Weißen Haus. Sie haben zudem viele moderne Interpretationen hervorgebracht, insbesondere in Form von "Qawwali".
Bulleh Shahs Vater, Shah Muhammad Darwaish, war in Arabisch, Persisch und dem Koran bewandert.
Einer der ältesten Texte, in denen er erwähnt wird, ist der „Gazetteer of the Multan District“ (1901–02), der 1902 von Edward Douglas MacLagan verfasst und veröffentlicht wurde. In diesem Text wird Shah als der „bekannteste und, wie man sagt, erste Verfasser von "Kafis“ bezeichnet. Seine "Kafis" wurden jedoch erstmals 1889 unter dem Titel „Qanun-i-Ishq“ von Anwar Ali in Lahore veröffentlicht.
Verfolgung:
In der Stadt Daftuh befindet sich ein festungsartiger "Gurdwara" (Sikkh Tempel), der im 18. Jahrhundert von der Oberhaupt der Sikhs, Bibi Isher Kaur, erbaut wurde, die für den Bau 80 Quadratmeter Land stiftete. Bulleh Shah suchte in diesem "Gurdwara" Zuflucht, nachdem eine Gruppe islamischer Fundamentalisten ihm mit dem Tod gedroht hatte.
Sein Tod:
Er starb 1757 im Alter von 77 Jahren. Er wurde in Kasur beigesetzt, wo er den größten Teil seines Lebens verbracht hatte. Da er zum "Kafir" (Ungläubigen) erklärt wurde, behaupteten religiöse Fundamentalisten aus Kasur, es sei verboten, bei seiner Beerdigung das Gebet zu sprechen. Er wurde daraufhin am Rande von Kasur beigesetzt, und das Begräbnisgebet wurde von Syed Zahid Hamdani, einer renommierten religiösen Persönlichkeit aus Kasur, geleitet.
Poesie:
Bulleh Shah lebte nach dem punjabischen Sufi-Dichter und Heiligen Fariduddin Ganjshakar (1179–1266) und war Zeitgenosse des ebenfalls aus dem Punjab stammenden Sufi-Dichters Sultan Bahu (1629–1691). Seine Lebenszeit überschneidet sich zudem mit der des punjabischen Dichters Waris Shah (1722–1799), der für "Heer Ranjha" (Liebestragödie) bekannt ist, des sindhi-sufistischen Dichters Sachal Sarmast (1739–1829) und des paschtunischen Dichters Khushal Khattak (1613–1689). Unter den Urdu-Dichtern lebte Bulleh Shah 400 Meilen entfernt von Mir Taqi Mir (1723–1810) aus Delhi.
Bulleh Shah praktizierte die Sufi-Tradition der punjabischen Poesie, die von Dichtern wie Shah Hussain (1538–1599), Sultan Bahu (1629–1691) und Shah Sharaf (1640–1724) etabliert wurde.
Die poetische Gestalt, die Bulleh Shah vor allem verwendete, ist der "Kafi", der in der Punjabi- und Sindhi-Poesie beliebt ist. Seine Poesie ist eine Mischung aus traditionellem mystischem Gedankengut und Intellektualismus.
Viele Menschen haben seine "Kafis" musikalisch umgesetzt, darunter einfache Straßenmusiker ebenso wie renommierte Sufi-Sänger wie Nusrat Fateh Ali Khan, Fareed Ayaz, Pathanay Khan, Abida Parveen, die Waddali Brothers, Iqbal Bahu und Sain Zahoor, sowie asiatische Künstler aus Großbritannien mit ihren Techno-Remixes von "Qawwali" und die pakistanische Rockband Junoon.
Übersetzt und zusammengefasst durch: Khawaja Tahir Mahmood
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Bulleh_Shah
Disclaimer: Es handelt sich hier um ein freies Werk. Der Inhalt der Übersetzung kann sich daher vom originalen Text variieren!
Änderungen vorbehalten!
*Kafi: Ein Sufi-Volkslied, ein mystisches Gedicht oder ein spiritueller Text
Habib Jalib
Habib Jalib wurde 1929 in einem Dorf nahe Hoshiarpur in Britisch-Indien geboren. Nach der Teilung Indiens zog er nach Pakistan. Später nahm er eine Anstellung als Lektor bei der Zeitung „Imrooz“ an. Seine literarischen und poetischen Neigungen entwickelten sich stark in Richtung sozialer Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit, Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er begann zu schreiben, wurde später Autor mehrerer Bücher und entwickelte sich zu einer symbolischen Figur des Widerstands.
Habib Jalib ist als Dichter aus der Mitte des Volkes bekannt – ein Mensch, der die Sprache der Herzen versteht, sie analysiert und Hoffnung verkündet. Seine Gedichte erreichen die einfachen Menschen, da er eine sehr klare Sprache spricht. Seine Werke auf Urdu und Punjabi sind zeitlos. Der einfache Bürger fühlt sich durch ihn verstanden, weil Jalib den alltäglichen Sorgen die richtigen Worte verleiht. Gleichzeitig spricht er mit den Machthabern in einer direkten Sprache, weshalb diese ihn als Gefahr einstufen. Er liebt und verteidigt die Werte der Gleichberechtigung. Dabei macht er deutlich, dass das Recht auf ein gutes Leben nicht nur den Machthabern und Eliten zusteht, sondern dass auch die normale Bevölkerung dieselben Ansprüche geltend machen darf. Seine Werke sind ein starker Beweis für seine Loyalität gegenüber seinem Volk und seinen Prinzipien.
Die Machthaber versuchten oft und über lange Zeit hinweg, seine Stimme zum Schweigen zu bringen. Doch er blieb unzerbrechlich; sein eiserner Wille war nicht zu beugen. In seinem Meisterwerk „Dastoor“ (Das System) drückt er klar und eindeutig aus, dass soziale Ungerechtigkeit nicht länger geduldet werden darf, während die Reichen reicher und die Armen arm gehalten werden. Seiner Ansicht nach soll auch der einfache Mensch das Recht auf Meinungsfreiheit haben, sein Leben frei von existenziellen Sorgen der Grundversorgung gestalten können, seinen Kindern Bildung ermöglichen und Kranken sowie Bedürftigen in Würde alle Chancen eröffnen, die für die Elite selbstverständlich sind.
Sein Gedicht „Dastoor“ (Das System)
Das Licht, das nur in den Schlössern brennt,
Das dient dem Vergnügen einiger weniger,
Welche im Schatten der Kompromisse gedeiht,
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ich fürchte mich nicht vor der Exekution!
Erzähl den Beherrschern, ich wäre „Mansoor“ (ein Märtyrer)!
Warum erschreckst du uns mit den Gefängnismauern?
Warum erschreckst du uns mit den Gefängnismauern?
Die Herrschaft der Unterdrückung akzeptiere ich nicht!
Die Nacht der Unwissenheit erkenne ich nicht an!
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
"Die Blumen beginnen an den Zweigen zu blühen“, behauptest du!
"Jedes Glas läuft über", behauptest du!
"Wunden heilen von sich selbst", sagst du!
Diese unverhüllten Lügen,
Diese Verleumdung der Vernunft,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ihr habt uns jahrhundertelang unseren Seelenfrieden geraubt.
Ihr habt uns jahrhundertelang unseren Seelenfrieden geraubt.
Doch eure Macht über uns neigt sich dem Ende zu.
Warum behauptet Ihr, den Schmerz heilen zu können?
Warum behauptet Ihr, den Schmerz heilen zu können?
Selbst, wenn einige behaupten, du hättest sie geheilt,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
Ein solches System, wie ein Morgengrauen ohne Licht,
Das akzeptiere ich nicht, das erkenne ich nicht!
(Habib Jalib)
In dieser Hinsicht legte er sich in den 1960er-Jahren zuerst mit dem Militärdiktator Feldmarschall Ayub Khan an. Als der Diktator im Jahr 1962 seine selbst verfasste, autoritäre Verfassung herausbrachte und einführte, erhob Jalib lautstark seine Stimme gegen ihn. Während dessen Regierungszeit wurde Jalib mehrfach eingesperrt, da seine Stimme als die wahre Stimme des Volkes galt und als zu gefährlich eingestuft wurde.
Der Militärdiktatur verblieb durch sein repressives Machtinstrumentarium sehr lange – elf Jahre ungefähr – an der Macht.
Exkurs: Der Diktator gewann die Präsidentschaftswahl durch massiven Wahlbetrug gegen die „Mutter der Nation“ (Madar-e-Millat), Frau Fatima Jinnah (die Schwester des Staatsgründers Pakistans, Mohammad Ali Jinnah). Später kam Fatima Jinnah unter mysteriösen Umständen ums Leben. Der Legende nach handelte es sich nicht um einen natürlichen Tod; es wird vermutet, dass sie erwürgt wurde, da man blaue Flecken an ihrem Hals fand. Zudem hielt das Regime die Bevölkerung durch den massiven Einsatz von Tränengas auf Distanz, sodass die Öffentlichkeit nicht richtig Abschied von ihr nehmen konnte.
Der Dichter Habib Jalib drückte diesen Schmerz in seiner Poesie aus. Er lebte selbst in äußerst bescheidenen Verhältnissen, blieb seinen Prinzipien jedoch stets standhaft treu. Sowohl in den 1960er Jahren unter dem Diktator Ayub Khan als auch in den 1970er Jahren unter dem gewählten Premierminister Zulfikar Ali Bhutto und schließlich in den 1980er Jahren unter General Zia-ul-Haq wurde er immer wieder verschleppt und eingesperrt. Seine aufrichtige Stimme, die dem Volk eine Sprache gab, wurde von den jeweiligen Machthabern als Volksverhetzung eingestuft.
Wenn wir seine Person mit Faiz Ahmad Faiz vergleichen, der aufgrund seines wahrhaftigen Wortes ebenfalls als eine Gefahr für die Machthaber eingestuft wurde, stellen wir fest, dass dieser seinen Unmut durch eine bildhafte Wortwahl in seiner Poesie ausdrückte. Jalib hingegen übermittelt eine direkte und klare Botschaft, die auch ein einfacher Arbeiter versteht. Damit reflektiert Jalib teilweise den Stil des Sufi-Dichters Baba Bulleh Shah, der zu seiner Zeit seinen Wohlstand aufgab und sich für die Bürgernähe entschied.
Auszeichnungen:
Anfang März 1996 wurde ihm der „Sitara-e-Imtiaz“ (Orden für herausragende Verdienste) verliehen, der von seiner Frau Mumtaz Begum (inzwischen verstorben) entgegengenommen wurde.
Am 23. März 2009 verlieh der Präsident Pakistans dem legendären Dichter den „Nishan-e-Imtiaz“ (Orden für herausragende Verdienste), der von seiner Tochter Tahira Habib Jalib entgegengenommen wurde.
Im Jahr 2013 erhielt seine Tochter Tahira Habib Jalib die Auszeichnung „Freunde des Befreiungskrieges (Bangladesch)“.
Er lebte in Armut und starb im Jahr 1993 in Lahore.
Literatur:
Sein berühmtes Gedicht ‚Dastoor‘, das vor allem durch die Zeile ‚Main Nahin Manta‘ (Ich akzeptiere es nicht) bekannt ist, wird bis
heute sowohl in Indien als auch in Pakistan bei politischen Protesten von den Massen gesungen. Er galt als die Seele poetischen Veranstaltungen.
Seine Werke sind in mehreren Bänden erschienen, darunter
Sir-e-Maqtal, Zikr Behte Khoon Ka, Gumbad-e-Bedar und Kulyaat-e-Habib Jalib usw.
Verfasst, übersetzt, veröffntlicht durch: Khawaja Tahir Mahmood
Disclaimer: Es handelt sich hier um ein freies Werk, das auf meiner Recherche, Leidenschaft und poetischer Zuneigung basiert.
Quellen:
https://www.rekhta.org/poets/habib-jalib/profile
https://revolutionarydemocracy.org/rdv9n1/jalib.htm
https://writoryofficial.com/famous-poets/habib-jalib
https://en.wikipedia.org/wiki/Dastur_(poem)
und zahlreiche Recherchen wurden vorgenommen.
Änderungen vorbehalten!
Ahmad Faraz
Wäre es einfach das Leben an den Trennungsschmerz zu verlieren,
Verging es aber ein Leben, das Leben zu verlieren!
Inspiriert von: Ahmad Faraz, ein Romantiker
In der Bearbeitung
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In meinen Übersetzungen und eigenen Texten geht es nicht darum, moderne Denkweisen abzubilden. Vielmehr ist es mir ein großes Anliegen, das reiche Kulturerbe Indiens und Pakistans im Westen authentisch zu repräsentieren. Zu meinen Herzensthemen zählen die Gottesliebe, ein reines Herz, die Sehnsucht nach der Wahrheit, der Sufismus sowie die zwischenmenschliche Liebe, soziale Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit – auch wenn ich nicht erwarte, dass jeder diese Ansichten teilt.
Dieses Projekt verfolgt keinerlei kommerzielle Zwecke. Es geht vielmehr darum, den Werken großer Persönlichkeiten die gebührende Ehre zu erweisen. Dies ist nur dank fundierter und tiefgreifender kultureller sowie sprachlicher Kenntnisse in Urdu, Englisch, Deutsch, Punjabi und Hindi möglich.
Verfasst durch: Khawaja Tahir Mahmood